Gemeinschaftlicher Grenzgang
Eine Prozession mit Theater-Spielstationenen hält Einzug beim Kultursommer - FIASGO im Sommer 1989

Einstieg beim Kultursommer
Es mag auch an der Herkunft einiger Gruppenmitglieder aus katholischen Gegenden gelegen haben, dass FIASGO auf die Inszenierungsform Prozession kam. Wer einmal einen solch religiös motivierten Zug einer Dorfgemeinde an Fronleichnam in den sechziger Jahren mitgemacht hat, wird sich an das eigentümliche Zusammenwirken von Vielerlei erinnern: gesprochenes Wort, Gesang, Instrumentalmusik, Schweigepausen, Bilder und Gerüche. Aber auch das Gemeinschaftserlebnis beim Gehen und Innehalten vermag sich einzuprägen. Eine sehr weltliche, wahrhaft hinterwäldlerische Variante davon hatten wir schon mit schönem Ertrag auf den Feldwegen und in den Gehölzen des Dürresbergs getestet, als wir die Ausschreibung für den „6. Mittelhessischen Kultursommer‟ im Jahr 1998 lasen. Sie lud auch Projektgruppen und lokale Initiativen zur Bewerbung ein, Vorschläge für Auftritte an ungewöhnlichen Spielorten seien besonders erwünscht.

Damit konnten wir dienen. Der Erfahrungsschatz unseres halbgeheimen Probelaufs durch Wald und Flur ermutigte uns, einen Antrag zu verfassen. Er kündigte eine Mischform von Prozession und Gauklerzug mit diversen Spielstationen am und im Wald von Gonterskirchen an. „Grenzgang mit Wanderbühne‟ hatten wir als Titel gewählt und erhielten den mit einem Förderbetrag von 1.500 DM verbundenen Zuschlag.
Erstmals trat nun FIASGO beim „Mittelhessischen Kultursommer‟ auf. Die Rolle des Veranstalters übernahm als Kooperationspartner die AG Kultur Gonterskirchen. Wir konnten Neuzugänge aus Düsseldorf begrüßen: Monika kam als Maskenspielerin hinzu und trat fortan bei unseren Inszenierungen mit dem Kölner Ludwig als Duo „Mirnixdirnix‟ auf. Sie brachte Ralf mit, der als Mime mit rheinischem Zungenschlag zu einer Stammkraft bei unseren Theaterstücken werden sollte.

Beim „Grenzgang‟ am sommerlichen Sonntag schüttete es bis kurz vorm angegebenen Startzeitpunkt (vormittags um elf). Davon ließen sich viele Interessierte abhalten.
Wir liefen dennoch halbwegs pünktlich in einem beachtlichen Zug der Wetterwiderständler an der vertrauten Grillhütte los. Die selbstgebaute Wanderbühne schleppten wir mit starker Unterstützung ortsansässiger Outdoorfreunde auf den Schultern durch den Wald und zurück an den Ausgangsort. Dort stellten wir sie ab, erklärten sie zur offenen Spielfläche für alle und feierten unter heiter bis wolkigem Himmel miteinander ein Sommerfest.