Willkommen auf der Hebebühne
2005

"Spielplatz mit Hebebühne"
Das Erlebnis, unerwünscht zu sein, verstärkt das Verlangen nach dem Gegenteil. Uns schwebte jetzt ein Gastgeber vor, der nicht nur hinter der eigenen Zusage steht, sondern auch bereit ist, die gastierende Schauspieltruppe nach Kräften zu unterstützen. Wir fanden ihn am Südrand unseres Dorfes: Rainer Melchior. Er betrieb dort eine Kfz-Werkstatt. Einige von uns kannten ihn schon lange. Er und seine Frau gehörten zu den ortsansässigen FIASGO-Sympathisanten. Ihr Töchterchen jubelte, als sie hörte, was wir bei ihnen daheim vorhatten. Während unseres Gastspiels begleitete sie uns als kesses Nachwuchstalent auf dem Gebiet der Motivationskunst.

Für unsere Kultursommer-Bewerbung hatten wir als Titel unseres Programms „Spielplatz mit Hebebühne‟ gewählt. In vollmundiger Antragsprosa führten wir aus: „In der Halle und auf dem Hof eines dörflichen Kfz-Betriebs installiert die Gruppe eine Umlaufbahn mit verschiedenen Kunststationen. Der Rundkurs bietet Lesung mit szenischem Spiel, Maskentheater, Musik und Bildende Kunst. Er lädt dazu ein, das theatralisch-künstlerische Potenzial eines vermeintlich unmusischen Ortes zu entdecken.‟ Erneut kam ein positiver Bescheid zurück, wir waren wieder dabei! Als wir am 5. August 2005, einem Freitagabend, auf dem Werkstattgelände spielten, hatten wir die Veranstaltung publikumswirksamer umbenannt: Zum „Boxenstopp‟ luden wir ein und zum Treffen mit „FIASGO an der Ausfallstraße‟.

Unser Programm umfasste sechs verschiedene Blöcke. In einem davon trat auch kurz unser Gastgeber auf, der über das nötige Kostüm verfügte. Er spielte den Chef einer Autowerkstatt.
„Moderne radbetriebene Fortbewegungsmittel wie Roller, Fahrrad und natürlich Auto lieferten den Stoff für multiperspektivische Geschichten von rund zweieinhalb Stunden Gesamtdauer‟, fasste die „Gießener Allgemeine‟ zusammen. Danach lobte und rüffelte der Artikel: „Vieles war vorbildlich inszeniert, so dass eingefleischte ‚Kultur-im-Dorf-Nase-Rümpfer‘ sich diese baldigst putzen sollten. Es fehlte jedenfalls an nichts.‟ Uns auch nicht!