Bejubelte Ouvertüre zum Blues

Wer 2025 beim „Krach am Bach‟-Programm der AG Kultur Gonterskirchen dabei war, erlebte ein mitreißendes öffentliches Debüt: Die junge Laubacher Band Escape spielte auf der Bühne am Sportplatz und begeisterte das Publikum.

Für zwei Mitglieder des Quintetts war das damals ein echtes Heimspiel: Bassistin Paula Gottwals und Schlagzeugerin Elena Karakoussis sind Gonterskirchnerinnen und verlässlich mit von der Partie, wenn der Kulturverein ihres Dorfes Musik erklingen lässt. Dem Laubach-Kolleg, wo Escape als Schulband zusammenfand, sind beide inzwischen entwachsen. Mit Sängerin Zeynep Ciftci, Gitarristin Maxi Diehl und dem Leadgitarristen Adrian Weiss bestanden sie am 21. August ihre bisher anspruchsvollste musikalische Prüfung mit Bravour. Auf der Hauptbühne im großen Zirkuszelt eröffneten sie am Freitagabend das 31. Hessische Bluesfestival.

Das dreitägige Blues-Volksfest im Laubacher Schlosspark hat sich im Lauf der Jahre als Ereignis mit einzigartigem Flair und überregionaler Anziehungskraft etabliert. Für eine große Fangemeinde, die es liebt, diese schwarze „Ursuppe‟ heutiger populärer Musik in ihren vielfältigen aktuellen Rezepturen und Spielarten geboten zu bekommen, ist Laubach zu einer Kultadressse geworden. Umso bemerkenswerter, dass als Opener auf der zentralen Festivalbühne eine lokale, relativ unerfahrene Gruppe auftreten durfte, die Publikumserwartungen auf „waschechten‟ Blues nicht erfüllte. Doch dieser Mut – der Programmverantwortlichen und der Band – wurde belohnt.

Die Escape-Mischung aus aktuellem Pop und Rock mit Klassikerpotenzial funktionierte bestens. Dabei war die Band so klug, in ihr Repertoire von insgesamt 14 Songs auch animierende Evergreens wie „These boots are made for walking‟ aufzunehmen, die schon seit sechzig Jahren in der Welt sind, also ähnlich lange wie viele der versammelten Bluesfans. Generationsübergreifend bejubelt wurden z.B. auch „Another brick in the wall‟ (Pink Floyd) mit Adrians eindrucksvoll singendem Gitarrensolo und „I was made for loving you‟, der Fetzer von Kiss, den Elena und Paula an Schlagzeug und Bass mit einer präzise vorwärtstreibenden Basispower unterlegten. Gleich drei Aha-Erlebnisse auf einmal bescherte die Band dem Publikum, als sie Tracy Chapmans „Give me one reason‟ intonierte: 1. Bluesig klingen können sie ebenfalls gut; 2. Sängerin Zeynep kann auch mit dieser Stilrichtung gekonnt umgehen; 3. Rhythmusgitarristin Maxi hat auch ein Händchen für feine Soli.

Das Highlight ihres Auftritts zündete das Frauenquartett samt Saitenmann mit „Sex on fire‟, dem Hit der Kings of Leon. Kaum erklang das Gitarren-Intro, sprang der Funke über, auf der Tanzfläche wurde es wild und eng, ein vielstimmiger Zeltchor nahm immer wieder den Refrain auf. Manches an dem Abend mag für die junge Band neu gewesen sein, die euphorische Publikumsreaktion auf ihre „Sex on Fire‟-Version aber nicht. Denn schon letztes Jahr bei ihrem Auftritt in Gonterskirchen rissen sie mit dem Song das ganze Auditorium mit, so sehr, dass sie ihn ein zweites Mal als Zugabe spielen mussten.

Diesmal im Laubacher Zirkuszelt hatten die Fünf aber noch einen anderen Joker in der Hinterhand: eine flott-rockige Interpretation der „Sultans of Swing‟ von den Dire Straits. Und wäre nicht schon die prominente Sugar Queen Blues Band als Top-Act des Abends an der Reihe gewesen – wer weiß, zu welchen Zugaben der rauschende Applaus Escape noch motiviert hätte.

Zum untersten Bild: Der Stadtverordnetenvorsteher Joachim Kühn gratulierte Escape zum famosen Auftritt und lobte die Band als hervorragende musikalische Botschafter Laubachs. Die Band (von links): Zeynep, Adrian, Paula, Elena und Maxi.